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08Mrz

Das Grüne Finanzmarkt-Symposium

Das Finanzmarkt-Symposium

Am 2. März fand im Haus am Dom in Frankfurt das Grüne Finanzmarkt-Symposium statt. Die vier Posdumsdiskussionen beleuchteten die Wechselwirkungen zwischen Finanzbranche, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Welche Mittel werden durch die Bankenrettung gebunden, die dann bei Investitionen beispielsweise in Klimaschutz und Energiewende fehlen? Wie kann im Gegenzug die Finanzwirtschaft diese Projekte untersützen? Zu den Panals fanden sich jeweils etwa 200 ZuhörerInnen ein.

(c) BÜNDNIS 90/ Die GRÜNEN

Panel „Immer noch Too big to fail? Was hat sich vier Jahre nach der Lehman-Pleite verändert?“

Es diskutierten: Prof. Dr. Beatrice Weder di Mauro (Universität Mainz), Thomas Jorberg (Vorstandssprecher GLS Bank), Dr. Gerhard Schick (Finanzpolitischer Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion).

Die TeilnehmerInnenmischung dieser Runde war sehr interessant: aufgrund der unterschiedlichen beruflichen Hintergründe ergaben sich verschiedene Perspektiven auf mögliche Lösungen für den Finanzmarkt.

Frau Professor Beatrice Weder di Mauro bemängelte, dass oftmals nationale Egoismen strengere Vorschriften für den Finanzmarkt verhindern. Außerdem sieht sie in einer Trennung von Universalbankengeschäft und Investmentbanking nicht unbedingt eine Erhöhung der Stabilität von Banken in Krisensituationen. Eine Stabilisierungsmöglichkeit sieht sie in der Fristenkongruenz, sprich, wenn die Fristen von angelegten Geldern und Investitionen der Banken in etwa deckungsgleich sind.

Herr Jorberg plädierte zwar auch für strengere Liquiditätsvorschriften, sieht aber den Fokus in einer Stärkung des Verbraucherschutzes und der Transparenz. Es müsse sich vor allem etwas an der Kultur innerhalb des Finanzsektors, aber auch an der Einstellung der KundInnen gegenüber den Produkten ändern. Er sagte, dass sich KundInnen oft auf die Bankenaufsicht und den Staat verlassen, die Auswirkungen ihres Anlagenverhaltens aber nicht bei sich sehen und plädiert für mehr Partizipation der KundInnen an Entscheidungen. Auch die gesellschaftlichen Auswirkungen der Anlagen müsse viel stärker in den Fokus der Diskussion rücken. Deshalb sollten bestimmte Produkte durchaus verboten werden.
Wichtig sei auch, dass Privatbanken untereinander haften, so wie es die Genossenschaftsbanken bereits heute tun. Dies fördere zum einen das Bewusstsein für Risiken und vermindere eine immer weiter gehende Haftung der SteuerzahlerInnen.

Dr. Gerhard Schick bemängelte, dass die Subventionierung des Finanzmarktes durch die Steuerzahler die Konzentration auf immer weniger Banken verstärte und sich bisher nichts an der Komplexität der Produkte und des Finanzsektors geändert hat. Im Gegensatz zu Professor Weder di Mauro sieht er eine Lösung darin, das Einlagengeschäft vom Investmentbereich zu trennen. Er spricht sich für eine internationale, zumindest eine europaweite Bankenaufsicht aus, die Druck auf die Risikobereitschaft der Banken ausüben soll.
Er verglich die Risikobehaftung einiger der Finanzprodukte mit denen von Chemieunternehmen und fordert für sie dementsprechend eine Art Versicherungsaufschlag.

Fazit: alle drei TeilnehmerInnen sprachen sich für eine Verstärkung der Regulierungen aus. Die Wiedererlangung des Vertrauens in die Branche kann aber nur durch eine Verbesserung der Anlagekultur und durch Unterstützung derjenigen erfolgen, die nachhaltige Produkte anbieten. Wie soll eine Bank agieren? Welche Art Bank ist gewollt? Darüber müssen sich sowohl die Branche, als auch die VerbraucherInnen Gedanken machen.

 

Panel „Finanzierung der Energiewende“

Es diskutierten: Erik Atvars (Global Head Power and Environment, UniCredit Bank AG), Prof. Dr. Michael Bräuninger (Forschungsdirektor Hamburgisches WeltWirtschaftsinstitut), Sylvia Wisniwski (Managing Direkctor Finance in Motion GmbH), Erk Westermann-Lammers (Vorsitzender des Vorstandes Investitionsbank Schleswig-Holstein, Moderation: Thomas Losse-Müller (Staatssekretär Finanzministerium Schleswig-Holstein).

Herr Westermann-Lammers sieht die Energiewende in drei Bereiche unterteilt: Energieeinsparung, Effizienz und der Ausbau der Erneuerbaren Energien. Er erklärte, dass die Investitionsbank Schleswig-Hostein bereits seit den 1980er Jahren Erneuerbare Energien fördert und ensprechendes Wissen angesammelt hat. Für potenzielle Investoren gibt es vielfältige Anlagemöglichkeiten. Aus Bankensicht unterscheidet er zwei Risikoarten: einmal das Risiko, das die Hausbank vor Ort trägt und das Risiko, welches der Refinanzierer trägt (oft die KfW, Landesförderbanken oder Förderbanken auf europäischer Ebene).

Finance in Motien unterstützt Projekte von Erneuerbaren Energien in Entwicklungsländern und in Osteuropa, in dem die Eingenkapitalbasis der Firmen ergänzt werden. Frau Wisniwski erläuterte, dass natürlicherweise die Risiken für Investoren ungleich höher sind, als in Deutschland.

Die Herren von UniCredit und des Hamburgischen WeltWirtschaftinstitutes gingen vornehmlich auf die Risiken ein. Dies verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass UniCredit vornehmlich in Off-Shore-Anlagen investiert, die erstens ein ungleich höheres technisches Risiko bergen, als auch viel größere Investitionssummen verlangen. Herr Professor Dr. Bräuninger fokussierte sich auf technische und ökonomische Risiken und möchte eine Verlagerung der Risiken und Verlangsamung des Ausbaus. Dies würde vom Finanzmarkt positiv beurteilt werden, meint er.

Ihm entgegnete Herr Westermann-Lammers, dass ein weiteres Abwarten für ihn nicht sinnvoll sei, denn seine Bank kann auf eine 30-jährige Erfahrung in Sachen EE zurückblicken. Außerdem minimiere sich das Risiko von selbst, wenn man nicht in Off-Shore-Anlagen, sondern in übersichtlichere On-Shore-Anlagen investiere.

Thomas Losse-Müller wies außerdem darauf hin, dass einige Banken besonders bei Investitionen in EE auf das Risiko verwiesen, der Finanzmarkt aber bei anderen Geschäftsfeldern weit weniger auf das Risiko fokussiert seien. Einige der Banken seien in der industriellen Revolution groß geworden, ohne dass sie damals darauf gepocht hätten, dass der Staat das Risiko trägt.

Frau Wisniwski  erklärte auch ,dass für ihr Investitionsmodell die Kooperationen zwischen Finanzierung und Handwerk sehr wichtig ist. Sie plädiert, diese Kooperationsmodelle auch in Deutschland zu fördern und dabei auch kreative Modelle nicht aus den Augen zu verlieren. Sie sieht die Zukunft der EE in der Dezentralität.

Herr Westermann-Lammers hob die Wichtigkeit von Partizipation hervor. Regionen könnten durch sie eine Verwurzelung zwischen Bevölkerung und EE schaffen und durch spezielle Vorgaben kann die Wertschöpfung aus EE vor Ort gehalten werden. Nach seiner Ansicht wird die Energiewende ohne massive Energieeinsparungen, vor allem durch Sanierungen von (Miet-) Wohnungen, nicht zu bewerkstelligen sein.

Fazit: die Banken und Unternehmen, die schon langjährige Erfahrungen mit Investitionen in Erneuerbare Energien haben, beurteilen diese grundsätzlich positiv – vor allem, wenn die Investitionen regional verwurzelt sind und auch Energieeinsparungen berücksichtigen.

Verfasst am 08.03.2013 um 14:00 Uhr von mit den Stichworten , , , , , , , .
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